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Interview mit Herrn André
Kostolany (01. September 1999)
boersenreport.de:
Herr Kostolany, die amerikanische Notenbank hat die Zinsen nun zum zweiten
Mal angehoben. War das die letzte Zinserhöhung?
Kostolany:
Wie soll ich das wissen? Alan Greenspan weiß es doch selbst nicht. Zwar haben die Notenbanker wieder eine neutrale Position eingenommen, doch ob sie bei dieser auch in drei Monaten noch bleiben werden, wissen die Währungshüter selbst nicht. Es hängt von der weiteren wirtschaftlichen und inflationären Entwicklung ab, und die kennen auch die Notenbänker nicht. Ich weiß es natürlich genauso wenig und deshalb kann ich diesbezüglich auch keinerlei Prognosen machen.
boersenreport.de:
Wie soll sich der Anleger vor diesem unsicheren Hintergrund verhalten?
Kostolany:
Auf keinen Fall lohnt es sich, jede Wirtschaftsstatistik zu verfolgen; denn diese widersprechen sich am laufenden Band. Die einen Daten heute deuten auf eine stärkere Wirtschaft hin und die morgen zeigen genau das Gegenteil. Ob die Börse dann steigt oder fällt, hängt wiederum von den Erwartungen der Analysten ab. Ein Trend ist nicht ablesbar.
Der Anleger sollte langfristig denken. Entscheidend für die Entwicklung a la long ist nicht die Zins-, sondern die Wirtschaftsentwicklung und die Entwicklung der Unternehmensgewinne. Eine IBM oder eine Microsoft wären nicht zu dem geworden, was sie sind, wenn dahinter nicht auch fundamentale Gründe stecken würden. Und die wirtschaftliche Entwicklung in Amerika ist fantastisch. Das ist ja auch der Grund für die Zinsangst. Dennoch markiert der Dow Jones entgegen den Erwartungen der meisten Analysten Rekordkurse, während die meisten europäischen Börsen noch weit von ihren Höchstständen entfernt sind. Seit vielen Jahren predige ich: Vergeßt mir Amerika nicht. Ein Leitsatz, der sich ausgezahlt hat und bei dem ich bleibe. Natürlich wird es immer wieder Rückschläge geben. Auch heftige Rückschläge sind möglich; denn die Börsen sind schließlich seit Jahren kollosal gestiegen. Doch solche Rückschläge können Anleger wunderbar zum Kauf nutzen. Denn langfristig bleibe ich weiter optimistisch für die Weltwirtschaft und besonders für Amerika. Und wie gesagt, langfristig kommt es auf die Wirtschaft und nicht auf die Zinsen an.
Das
Interview für
boersenreport.de
führte Frau Dr. Moder-Frei in
Zusammenarbeit mit Herrn Riße.
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